Kaltes Frühjahr treibt Ringelgänse in die Hallig-Vorgärten

Kein Grund zur Besorgnis trotz schlechten Bruterfolgs 2017

23.03.2018

Tausende Ringelgänse machen derzeit im Wattenmeer Rast, um sich genug Fett für ihren Weiterflug in die arktischen Brutgebiete anzufressen. Der späte Wintereinbruch hat die Reiselust der Meergänse deutlich gebremst. „Bei unserer letzten Zählung in dieser Woche konnten wir 3.431 Gänse auf der Hallig beobachten“, sagt Michael Klisch, Stationsleiter der Schutzstation Wattenmeer auf Hooge. Das seien zwei Drittel weniger als Ende März 2017.

„Ein Teil der Ringelgänse, die bereits im Februar zu uns gekommen waren, hat die Hallig wieder verlassen“, berichtet Klisch. Auf Nahrungssuche kamen die verbliebenen geflügelten Logisgäste sogar in die Hallig-Vorgärten. „Vom Wohnzimmerfenster konnte ich Hunderte von Ringelgänsen beobachten, die zusammen mit den Amseln über meinen Rasen liefen“, sagt Klisch. Solch ein Schauspiel habe er noch nie zuvor beobachtet.
 
Auch in ihrem Brutgebiet hatten es die Ringelgänse im letzten Jahr nicht leicht. „2017 brachten die Ringelgänse kaum Nachwuchs aus der Arktis mit“, sagt Biologe Klaus Günther. Schlechtes Wetter war auch hier die Ursache. Ein ungewöhnlich kalter arktischer Sommer mit einer schneebedeckten Tundra verhinderte das Brutgeschäft oder führte zu hohen Verlusten unter den Jungvögeln.
 
Trotz des Rückgangs sieht Günther derzeit noch keinen Grund zur Sorge: „Bestandsschwankungen sind bei Ringelgänsen normal. In der Vergangenheit hat es immer wieder Einbrüche gegeben, die in den Folgejahren ausgeglichen werden konnten“, sagt der Vogelkundler. Die Ringelgansbestände seien in den letzten Jahren relativ stabil geblieben.
 
Vogelfreunde können die Gänse mit dem weißen Halsring live in der Biosphäre Halligen erleben. Vom 21. April bis 13. Mai 2018 finden die 21. Ringelganstage mit einem abwechslungsreichen Veranstaltungsprogramm statt.

www.ringelganstage.de