Sturm „Zeetje“ sorgte für gefährliche Havarien

Schutzstation Wattenmeer mahnt Einhaltung des Notschleppkonzepts an

03.01.2019

Während Sturm Zeetje in der Nacht vom 1. zum 2. Januar an der Nordseeküste lediglich zu Wasserständen von etwa einem Meter über Normal führte, traten auf offener See bei vier Schiffen größere Probleme auf. In zwei Fällen übernahm das Haveriekommando die Einsatzleitung: 270 Container der „MSC Zoe“ mit teilweise gefährlichem Inhalt gingen über Bord. Die 133 m lange „Palmerton“ trieb am frühen Mittwochmorgen trotz ausgebrachter Anker dreieinhalb Stunden lang zehn Kilometer südwärts. Sie durchquerte dabei die Tiefwasser-Reede westlich Helgolands sowie komplett den westwärts führenden Weg der Hauptschifffahrtsstraße Terschelling – Deutsche Bucht. Erst danach gelang es, die Maschinen wieder flott zu bekommen, so dass das Schiff seinen Weg in Richtung Großbritannien mit eigener Kraft fortsetzen konnte. 

Das erst am 1. Januar neu installierte Boarding-Team des Havariekommandos war bereits per Hubschrauber vor Ort, wurde aber nicht mehr auf das Schiff gebracht. Harald Förster, Geschäftsführer der Schutzstation Wattenmeer mahnt: „Die Situation ähnelt der ‚Glory Amsterdam‘ vor gut einem Jahr. Wäre die ‚Palmerton‘ die gleiche Zeit weitergetrieben, hätte sie sich den Flachwassergebieten vor den Ostfriesischen Inseln gefährlich genähert. Eigentlich sieht das Notschleppkonzept für die Deutsche Bucht vor, havarierte Schiffe bereits nach zwei Stunden zu sichern.“ Bei mehreren gleichzeitigen Einsätzen stoße das Konzept offenbar an seine Grenzen.

Weiter westlich vor Borkum verlor am Neujahrsabend die „MSC Zoe“, mit 396 Meter Länge und 59 Meter Breite eines der größten Containerschiffe der Welt, etwa 270 Container. Hierbei wurde auch der obere Bereich der Bordwand des Schiffs beschädigt. Zumindest drei der verlorenen Container sind mit dem Gefahrgut Dibenzoylperoxid beladen. Bis Mittwochabend waren an den holländischen Inseln Terschelling, Vlieland und Ameland bereits 21 Container sowie zahlreiches loses Treibgut gelandet.

„Es ist zu hoffen, dass keine weiteren giftigen Stoffe über Bord gegangen sind, die die Meeresumwelt belasten. An den Stränden landendes Treibgut ist in den kommenden Tagen und Wochen auf jeden Fall mit Vorsicht zu behandeln“, sagt Förster und kündigt zusätzliche Strandkontrollen durch die Freiwilligen-Teams der Schutzstation Wattenmeer an. Spaziergänger sollten verdächtige Funde den örtlichen Naturschutzstationen, der Wasserschutzpolizei oder den Gemeinden melden, damit sie umgehend geborgen werden können.

Treibende Container hingegen sind insbesondere für kleinere oder schnelle Fahrzeuge eine Gefahr. Versunkene Behälter bergen zudem für die Fischerei das Risiko von „Netzhakern“, die bei kleineren Kuttern schon zum Kentern geführt haben.

Containerfrachter „MSC ZOE“ am 2. Januar vormittags. Mit 396 m Länge und 59 m Breite ist es eines der größten Containerschiffe der Welt.

In mehreren Reihen lösten sich in der Nacht zahlreiche Container. Einige beschädigten sogar die Bordwand des Schiffs.

Mehrzweckschiff „NEUWERK“ der Küstenwache an einem beschädigten, bereits fast versunkenen Container.