Zirrenkrake Dobby bleibt vorerst im Aquarium

Seltener Krake soll nicht in Fischernetzen landen.

30.09.2017

Wenn der bei Hallig Hooge gefundene Zirrenkrake sich im Aquarium der Schutzstation Wattenmeer auf Sylt einlebt, soll er bis Ende Oktober dort bleiben. Denn zurzeit ist im Weltnaturerbe Wattenmeer nicht nur Muschelsaison, sondern auch die Hauptfangzeit für Krabben, und es besteht ein deutliches Risiko, dass er in ein Grundschleppnetz gerät und getötet wird. Hierzu der Biologe Rainer Borcherding: „Wir haben zwar einen Meeres-Nationalpark, aber nur 3 % seiner Fläche sind für die Fischerei gesperrt. Das ist viel zu wenig, um den Meereslebewesen eine ungestörte Entwicklung zu garantieren. Ich wüsste nicht, wo wir den Kraken momentan freilassen könnten, ohne dass er am nächsten Tag in einem Netz enden kann. Selbst die gesperrte Zone hier bei Sylt wird immer wieder illegal befischt.“
Die Krabbenfischerei, die sich derzeit um das blaue MSC-Siegel für Nachhaltigkeit bemüht, fängt außer den begehrten Krabben auch alle Arten von Bodentieren in ihren Schleppnetzen. Viele der mitgefangenen Tiere sterben im Netz oder bei der Fangsortierung auf dem Kutter. Neben vielen Jungfischen wie Scholle, Stint und Kabeljau werden auch Großfische wie Rochen ungewollte Opfer der Grundschleppnetze. Auch seltenen Bodentieren wie dem Kraken droht dieses Schicksal.
Diese Beifang-Problematik und die Schädigung des Meeresbodens sind heiß diskutierte Themen zwischen Naturschutz und Krabbenfischerei. Dass die Zirrenkraken offenbar das Wattenmeer trotz dieser Gefahr zu besiedeln versuchen, sieht Borcherding als Ansporn, weiter mit der Krabbenfischerei über Schutzzonen im Nationalpark zu diskutieren. „Es gibt die Chance, durch technisch optimierte Netze die Fänge außerhalb des Nationalparks zu steigern und zugleich den Beifang zu verringern. Umweltminister Habeck hat drei Millionen Euro bereit gestellt, um Innovationen für die Krabbenfischerei zu entwickeln. Ich hoffe, dass wir in wenigen Jahren auch unter Wasser einen echten Nationalpark bekommen, in dem Kraken und andere Meerestiere ungestört leben können.“
Einstweilen soll der Krake „Dobby“ im Aquarium im Nationalpark-Haus „Arche Wattenmeer“ in Hörnum (Sylt) eine sichere Zuflucht finden. Dort beobachtet das Team gespannt, ob er bald zu fressen beginnt, was ein Zeichen für eine erfolgreiche Eingewöhnung wäre.

Zirrenkrake Dobby am Donnerstag im Aquarium auf Hallig Hooge.

Zirrenkraken haben im Gegensatz zum Octopus nur eine Reihe von Saugnäpfen auf ihren Tentakeln.